Interview aus: Roland Insider, IV 2003, S.21

ROLANDInsider sprach mit der Medienpädagogin und Autorin Stephanie Müller

Insider: Der Markt der Kinder-Software ist riesengroß und unübersichtlich. Gibt es Gütesiegel oder ähnliches, die die Orientierung erleichtern?

Stephanie Müller: Ein allgemein anerkanntes Qualitätssiegel für Spiel- oder Lernsoftware existiert bisher leider nicht. Die vielen verschiedenen Auszeichnungen auf Computerspielverpackungen können irreführend sein, weil oftmals die Wirtschaft selbst Preise dieser Art vergibt. Daher sollte in jedem Fall hinterfragt werden, wer hinter der Auszeichnung steht.

Insider: Worauf sollten Eltern beim Kauf von Lernsoftware achten?

Stephanie Müller: Schon die Packung verrät eine Menge. Dort sollten sich Angaben über Systemvoraussetzungen, Inhalt und Ziel der Software finden. Und ganz simpel: Die Software sollte kein dickes Handbuch dabei haben, lediglich eine kurze, verständliche Anleitung im Booklet der CD-ROM, die Anfangsschwierigkeiten beheben kann. Gute Kinder-Software ist selbsterklärend. Ein weiteres sichtbares Kriterium ist die Grafik. Die Bilderwelt der Software sollte der Bildsprache der Kinder entsprechen.

Insider: Nun sind die Texte auf den Packungen ja häufig nicht sehr ausführlich. Welche Möglichkeiten gibt es sonst, sich zu informieren?

Stephanie Müller: Ich sehe zusätzliche Informationen als absolutes Muss an. Software-Rezensionen sind heute in vielen Eltern-, Jugend- und Kinderzeitschriften oder in Computer(spiele)magazinen zu finden. Auch der Austausch mit anderen Eltern ist ein wesentliches Kriterium. Da Kinder-Software meist zum Angebot einer Buchhandlung gebört, wissen Buchhändlerinnen ebenfalls recht gut Bescheid. Hier kann oft auch getestet werden. In Elektro-Mitnahmemärkten hingegen trifft man seltener auf gute Beratung. Außerdem bieten mittlerweile fast alle Stadtbüchereien Kinder-Software an. So kann diese zu Hause getestet werden.